Wennst in de 60er oder 70er aufgwachsn bist, siehst di wahrscheinlich ned als „mentale Härt’n“. Du host einfach weiterdoa. Bist im Regen z’Fuass in d’Schui ganga, host – wennst Glück g’habt host – drei Fernsehkanäle g’habt, host dei Leit aus am zugigen Vorhaus au’ruafn und bist groß worn mit am eigenartigen Mix aus Angel Delight, Radiowerbung und a bissl mildem „Passt scho“. Aber wennst da anschaust, in wos für ana Wöd deine Kinder oder Enkel heit unterwegs san, wird eins ziemlich klar: Du host ganz still Muskeln im Kopf trainiert, von denen viele heit ned amoi wissen, dass’ es gibt.
Des geht ned drum, wer’s schwerer g’habt hat oder wer „besser“ is. Jede Generation kriagt ihr eigenes Schlachtfeld. Aber es gibt a gewisse Zähigkeit, a inneres Gegengewicht, des ma öfter bei de Leit findet, die aufgwachsn san, wie Sicherheitsgurte optional worn san und Langeweil fix zum Tag dazughört hat. Und wennst diese oldschool Stärken amoi siehst, kannst’ sie nimmer so leicht übersehn.
1. Die verlorene Kunst, auf wos z’warten
Es hat a Zeit gebn, da hot „I wü wos“ ned g’heißen, dassd’s heit no kriagst – oder amoi diese Wochn. Wennst 1973 a Schallplattn per Post bstellt host, host gwartet. Host in Briefkastl g’schaut mit am kurzen Hopf’n Hoffnung – und dann host was anderes g’macht, weil’s ka Sendungsverfolgung gebn hat, ka Status-Updates, ka „Dei Packerl is grad in Zustellung“-SMS. Des ständige Üben von aufgschobener Belohnung hot bei vielen 60er- und 70er-Kindern a ruhige Geduld einprogrammiert.
S’Lieblings-Fernsehprogramm? Einmal in der Wochn, zu ana ganz fixen Uhrzeit. Verpasst – dann war’s das. Ka Mediathek, ka Streaming, ka YouTube-Zusammenschnitt morgen. Des klane Herzweh, immer wieder, hot g’lernt: D’Welt richtet si ned nach deinem Timing, und manchmal musst halt damit leben, dassd was verpasst.
Jüngere Generationen lebn in ana Wöd, wo fast ois in Sekunden am Bildschirm herzaubern kannst. Is super – und aa brutal. Der Muskel, der di ruhig hält zwischen „I wü“ und „I hob“, wird viel weniger benutzt. In de 60er und 70er hast ka Wahl g’habt: Du host den Muskel gebaut – beim Bus-Warten, beim Zurückspuin vom Film, oder bis da Papa endlich vom Telefon weg war, dassd an Freind anruafn kannst.
2. Auskommen mit dem, wos ma hot
Wennst damals aufgwachsn bist, erinnerst di vielleicht an de komische Zufriedenheit, wenn ma was repariert hat mit dem, wos halt grad im Haus herumkugelt is: Tixo, a verbogene Büroklammer, a Stückl Schnur aus der Lade hinten. Du host ned googelt – du host’s erfunden. Diese tägliche Improvisation hot a mentale Stärke g’lernt, die ma leicht unterschätzt: den Glauben, dassd in den meisten Fällen mit dem, wos eh scho do is, irgendwie a Lösung zambringst.
Es hat ka endlosen Produktoptionen gebn, ka Ersatz am selben Tag. A kaputtes Spielzeug hat oft g’heißen: auseinandernehmen am Wohnzimmerteppich, während wer g’schrian hat: „Verlier ma die Schraub’n ned!“ Du host g’lernt, Knöpfe wieder anzunähn, den Fernseher genau im richtigen Winkel anzutreten, und in an Kassettenplayer reinzublasn, damit er wieder geht. Dieses g’schlamparte, a bissl chaotische Problemlösen wird zur tiefen Gewohnheit: ned in Panik fall’n – einfach herumprobiern.
Heit is da Reflex oft: ersetzen statt repariern, auslagern statt ausprobieren. Leit, die in de 60er und 70er aufgwachsn san, tragen diese leise rebellische Überzeugung mit: Die meisten Probleme san zumindest teilweise lösbar – mit Geduld, Neugier und a bissl Klebeband. Des macht’s belastbarer, wenn’s Leben ka Bedienungsanleitung mitliefert. Was – ehrlich – eh nie der Fall is.
3. Zurechtkommen ohne ständige Bestätigung
1978 hat’s ka Social-Media-Punktestand gebn. Wennst di einsam oder komisch g’fühlt host, host ned Likes zählt, um dein Wert zu bestätigen. Vielleicht bist am Bett gelegen, host an leicht schiefen Poster an der Wand ang’starrt und hast’s halt … g’spürt. Keiner is dahergrannt, hat jedes Unwohlsein etikettiert und in Motivationssprüch eing’wickelt. Du host di dran g’wöhnt, deine Gefühle als was zu behandeln, wo ma sitzen bleiben kann – ned als was, des ma öffentlich repariern muss.
Eltern hom ihre Kinder eh gern g’habt, aber die emotionale Sprache war dünner. „Du wirst scho“ hat viel Arbeit erledigt. Klingt heit hart, aber es hat a innere Selbstbestätigung trainiert: die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und selber zu entscheiden, dass ma eh wieder okay wird – egal ob’s wer anderer sagt oder ned. Des is a ziemlich solides Rückgrat fürs Erwachsenenleben.
Jüngere Generationen san emotional sprachfähiger – a riesiger Gewinn. Aber es gibt aa a Kehrseite. Wenn Bestätigung immer verfügbar is, wirst leichter abhängig davon. De 60er- und 70er-Kinder hom g’wusst: Manchmal heulst am Schulklo, wäscht da s’G’sicht und gehst wieder raus, weil vor Doppel-Mathe keiner kummt, di zu retten. Is ned schön, aber stark.
4. Langeweil aushalten, ohne auszuzuck’n
Langeweil in de 70er war ka Krise; sie war Hintergrundrauschen von da Kindheit. Du host stundnlang aus’m Auto g’schaut und Masten zählt. Beim Frühstück hast die Cornflakes-Packung g’lesen, weil’s sonst nix zum Lesen gebn hat. Du host am Teppich g’legen, host des langsame Ticken von der Uhr g’hört und des dumpfe Brummen vom Rasenmäher vom Nachbarn – und host gwartet, dass irgendwos passiert.
Wir kenna des: Wenn’s WLAN zehn Minuten ausfällt, wird der ganze Raum nervös. So ungewohnt is für viele heit echte, unverfälschte Leere. Wer in de 60er und 70er aufgwachsn is, hat a ruhige Ausdauer für leere Zeit aufgebaut. Und hat g’merkt: Wennst die Langeweil lang genug ausdehnst, fangt da Kopf irgendwann an, selber Ideen zu liefern – Geschichten, Fantasie, Tagträume.
Diese Fähigkeit, bei ana fad’n Aufgabe zu bleiben und ned beim ersten Unruhe-Anflug auszubrechen, is a echte mentale Stärke. Sie macht’s leichter, dicke Bücher z’lesen, schwere Skills z’lernen, oder in Gesprächen zu bleiben, die ned im TikTok-Scroll-Tempo laufen. Und ehrlich: Des trainiert heut kaum wer absichtlich jeden Tag. Drum is es a Vorteil, wenn’s in der Kindheit quasi eingebaut wor’n is.
5. Mit Risiko und rauen Kanten umgehen
Runterfall’n, wieder aufsteign
Kindheit in de 60er und 70er hat mehr scharfe Ecken g’habt – im wahrsten Sinn. Klettergerüste auf hartem Beton, Radl ohne Helm, Sonnwendfeuer oder Lagerfeuer-Nächte, die verdächtig nach am lokalen Sicherheitsalbtraum ausg’schaut hom. Du bist hing’fall’n, host blaue Fleck’n g’habt, host g’lernt. D’Welt hat si körperlich riskanter ang’fühlt, und des hat Kindern dauernd Übung gebn: Gefahr einschätzen, Grenzen austesten und sich von klanen Katastrophen wieder erholen.
Des heißt ned, dass ois gut war. Es hat Unfälle gebn, die nie passieren hätt’n sollen. Aber in diesem unperfekten Setup hom Kinder a instinktives Risiko-Rechenwerk entwickelt. Sie hom g’lernt, „Des is g’fürchtet, aber geht scho“ zu unterscheiden von „Des is wirklich a saudumme Idee“ – ned durch Online-Warnungen, sondern durch aufg’schürfte Knie, versengte Augenbrauen und Adrenalin, des langsam zu ana G’schicht wird, die ma in der Schui erzählt.
Emotionale Härte mit weicher Unterseit’n
Die emotionale Kultur war härter aa. In der Schui bist g’hänselt wor’n, hat’s Kontra gebn, manchmal bist bloßg’stellt wor’n. Lehrer konnten schneidig sein; ältere Kinder oft no mehr. Wer damals aufgwachsn is, hat g’lernt, mit am Grundrauschen aus Reibung und Konflikt zu leben – a Niveau, bei dem in vielen modernen Klassenzimmern sofort Alarmglock’n losgingen.
Und trotzdem is unter der Härte a komische Weichheit entstanden. Wennst am Spielplatz einmal Stand gehalten host oder den Sarkasmus von am Lehrer ausgehalten, verstehst irgendwann aa die Verletzlichkeit von andern. Viele 60er- und 70er-Kinder san zu Erwachsenen wor’n, die in angespannten Situationen ruhig bleiben können – und gleichzeitig leise ein G’spür für den Underdog im Raum haben. Diese Mischung aus Stärke und Empathie is ned leicht auf TikTok zu trainiern.
6. Loyal bleiben, wenn’s ned aufregend is
Freundschaften warn früher lokal, langsam und stur. Du host jahrelang mit denselben Kindern aus deiner Gass’n g’spielt – ned weil a Algorithmus sie dir vorgeschlagen hat, sondern weil’s einfach ned so viele Alternativen gebn hat. Ihr habts euch zerstritten, wieder vertragen, und du bist zwanzigmal am Haus vorbeig’radelt, nur um z’schaun, ob’s rauskommen. Diese lange, unperfekte Nähe hat g’trainiert, bei Leit zu bleiben durch peinliche Phasen durch, statt einfach zur nächsten Clique zu „swipen“.
Beziehungen warn aa weniger wegwerfbar. Viele hom g’sehn, wie ihre Eltern durch harte Zeiten durchg’rackert hom, statt sofort zu gehen. War ned immer gesund, und manchmal hat’s Leit eing’sperrt. Aber es hat aa gezeigt: Menschliche Verbindungen habn fad’ und mühsame, unglamouröse Strecken, wo ma trotzdem da is, trotzdem Abendessen kocht, trotzdem über scheinbar nix red’t.
So a Loyalität braucht a mentale Stärke, die leicht untergeht in ana Kultur, die beim ersten Moment ohne „Spark Joy“ auf „weiterziehen“ schaltet – Job, Freundschaft oder Hobby. Wer in de 60er und 70er aufgwachsn is, weiß im Bauch: Bequemlichkeit liegt oft erst hinterm Unbequemen. Sie hom genug Winter g’sehn, um zu vertrauen, dass manches wieder blüht, wennst ned z’früh aufgibst.
7. Dem eigenen Urteil trauen – ohne Dauer-Feed
Vor Suchmaschinen: Wennst was wissen wolltest, host wen g’fragt oder’s selber rausg’funden. Du host mit am Hawara streiten können, wer a bestimmte Nummer g’sungen hat – beide hundertprozentig sicher – und du konntest es ned in zehn Sekunden am Handy klären. Also host mit Unsicherheit g’lebt. Du host g’schätzt, erinnert, überlegt. Du host Entscheidungen mit Teilinformation g’macht, weil’s „Totale Information“ ned gebn hat.
Diese tägliche Unsicherheit hat a tiefes Vertrauen ins eigene Urteil trainiert. Du host aus’m Falschliegen g’lernt, ned aus’m sofortigen Korrigiertwerden vom Bildschirm. Der mentale Ablauf war: beobachten, denken, entscheiden, anpassen. Klingt simpel, aber es geht überraschend schnell verloren, wenn ma gewohnt is, jede Wahl an Reviews, Ratings und Empfehlungsmaschinen auszulagern.
Leit, die in de 60er und 70er aufgwachsn san, tragen diese subtile Zuversicht, dass sie a Situation mit eigenen Augen und Erfahrung abwägen können. Sie holen sich Rat – und tun dann trotzdem, wos si im Bauch richtig anfühlt. Da steckt a leise Freiheit drin: das Gefühl, dassd ned bloß Endnutzer von fremden Meinungen bist.
8. Grenzen akzeptieren, ohne si betrogen zu fühlen
Das Leben in diesen Jahrzehnten war voll harter Grenzen: drei Kanäle, eine Telefonleitung, ein Familienauto – wennst Glück g’habt host. Wenn da Laden zua war, host gwartet. Wenn da Film in da Kamera aus war, host’s weglegt. A Tag hat einfach enden können mit Sachen, die unerledigt warn, und ka Möglichkeit, sie bis morgen irgendwie weiterz’schieben. Diese routinierte Akzeptanz von „Na“ hat a mentale Gewohnheit trainiert, die ma heit fast als Trauma behandelt: akzeptieren, dassd ned ois haben kannst – und dass des okay is.
Da steckt a Stärke drin, wennst an Grenzen anrennst und merkst, dass dein Glück ned sofort verdampft. Du konntest ned überall sein, ned ois sehen, ned all die Sachen haben, die deine Freind g’habt hom. Du host ausghalten, a bissl g’sudert, und dann weiterg’macht. Mit der Zeit baut des a ruhige Widerstandskraft auf: Enttäuschung spüren, ohne drunter z’sammzubrechen.
Jüngere Leit lebn in ana Wöd, die von überall „grenzenlos“ flüstert – während die Realität stur ned mitspielt. Dieser Widerspruch kann mental extrem zermürbend sein. Wer in de 60er und 70er mit Schlangen, Engpässen und „Tut ma lad, ausverkauft“ trainiert wor’n is, geht oft ruhiger mit den Ziegelwänden vom Leben um. Sie erwarten ned, dass jede Tür aufgeht – und wenn’s ned aufgeht, drehen’s ab und suchen an anderen Weg, statt auseinanderzufallen.
9. Freude in klanen, gewöhnlichen Dingen finden
Frag wen, der damals aufgwachsn is, nach seine glücklichsten Erinnerungen – und die klingen oft erstaunlich schlicht. Mit’m Radl fahr’n, bis die Straßenlampen ang’gangen san. Toast vorm Gasofen, nachdem ma komplett durchnässt vom Regen war. Der Geruch von Turnschuach und frisch g’schnittenem Gras am Sporttag. Des warn ka Instagram-Momente; des warn klane, alltägliche Blitzerl Zufriedenheit, die den Kopf drauf trainiert hom, einfache Freuden zu sehen und zu schätzen.
Es hat weniger Druck gebn, dass jeder Tag „besonders“ sein muss. Geburtstag: a Kuch’n, vielleicht a paar Freind zu Besuch – ned Eventplaner und Motto-Luftballons. Urlaub war oft a nasser Wohnwagen und Sand in de Chips, und trotzdem reden Leit drüber mit so am weichen Licht in der Stimm’. Wennst lernst, in Unperfektheit Freude zu finden, tragst a eingebautes Gegenmittel gegen die moderne Krankheit „nie genug“ in dir.
Vielleicht is des die leiseste Stärke von allen: die Fähigkeit zu spüren, dass des, wosd grad host, jetzt, eh schon wos is. A Haferl Tee in ana angeschlagenen Tasse. A Telefonat statt ana perfekt kuratierten Nachricht. Der gleiche alte Blick aus’m gleichen alten Fenster, aus demst seit 1974 rausschaust. Is ned glamourös, aber es hält den Geist am Boden, wenn da draußen alle fünf Sekunden wer versucht, dir a glänzenderes Leben zu verkaufen.
Die versteckten Muskeln, von denen ma ned gwusst hom, dass ma sie aufbaut
Leit, die in de 60er und 70er aufgwachsn san, hom diese mentalen Stärken ned im Fitnessstudio oder mit ana Achtsamkeits-App trainiert. Sie hom’s aufg’schnappt, indem’s durch a Wöd gangen san, die langsamer, rauer, weniger gepolstert war. Warten, flicken, aushalten, drüber lachen, weitermachen: Des warn einfach die Bewegungen vom Alltag.
Jede Generation hat ihre eigenen Stärken, ihre eigenen Narben, ihre eigenen leisen Superkräfte. Jüngere Leit habn Wendigkeit, Bewusstsein und a globale Verbundenheit, die vor 50 Jahr undenkbar war. Aber wennst manchmal, beim Blick auf Leit vor Smartphone-Zeiten, das Gefühl host, die hom a innere Standfestigkeit, die dir fehlt – dann bild’st da des wahrscheinlich ned ein.
Das Beruhigende is: Diese oldschool Stärken san ned an a Jahrzehnt gebunden. Ma kann sie wieder lernen, in jedem Alter – indem ma genau des tut, wos de 60er- und 70er-Kinder ganz selbstverständlich g’macht hom. A bissl länger warten. Erst repariern, bevorst ersetzt. Mit Unbehagen sitzen bleiben. Heit an klanen, unspektakulären Moment genießen. Die Wöd hat si geändert, aber diese Muskeln san immer no do – und wart’n nur drauf, dass ma sie wieder benutzt.
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