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Laut Psychologie haben Menschen, die in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen sind, 9 mentale Stärken entwickelt, die heute selten sind.

Älterer Mann schreibt in einem Notizbuch in der Küche, im Hintergrund ein Fahrrad und Telefon, 70er-Jahre-Stil.

Das Café war laut – auf diese leise, menschliche Art, die ma heut nimmer oft hört. Ka Laptops, ka AirPods. Nur klirrende Häferln, scharrende Sessel und a Runde grauhaariger Freund*innen, die fröhlich über den Brotpreis „damals ’72“ gestritten haben. Eine von ihnen, a Frau mit Jeansjackn und abgetragenen Turnschuahn, hat glacht, wie sie a Papier-Tagebuch aus der Taschn zogn hat – die Seiten zerknittert und vollgschriebn. „I brauch ka Handy, damit i ma was merk“, hat’s g’sagt. Die Zwanziger am Nebentisch ham aufgschaut – halb neugierig, halb amüsiert.

Ma hat fast spürn können, wie da zwoa Epochen nebeneinander sitzen. Die eine aufg’wachsen mit Sofort-Benachrichtigungen, die andere mitm Warten auf die Post. Die eine von Algorithmen trainiert, die andere von Langeweile.

Psycholog*innen sagen, diese Kluft is ned nur Nostalgie.

Des is a geistiges Training, des ma ned runterladen kann.

1. Die stille Widerstandskraft von vor „instant alles“

Menschen, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, ham in ana Welt lebt, wo nix sofort da war – und wo kana versprochen hat, dass des Leben bequem is. Ma hat auf Busse gwartet, die vielleicht gar ned kumma san, auf Lehrer*innen, denen deine „G’fühle“ wurscht waren, und auf Filmfotos, die ma erst a Woche später gsehn hat. Diese langsame Reibung hat was Tiefes in einen einigschliffen: a stille, fast unsichtbare Widerstandskraft.

Psycholog*innen nennen des „Distress Tolerance“ – also die Fähigkeit, Unangenehmes auszuhalten, ohne gleich in Panik zu verfallen oder hinzuschmeißen. Kinder, die jeden Tag „Nein“ und „No ned“ ghört ham, ham diesen Muskel dauernd trainiert. Sie ham’s ned g’liebt. Sie ham halt ka Wahl g’habt.

Heit wirkt so a Zähigkeit wie a altes Werkzeug.

Nimm nur was so Einfaches wie auf an Anruf warten. 1975: Wenn a Freund g’sagt hat, „I ruf di am Samstag an“, dann war’s des. Ka SMS-Erinnerungen, ka Standortteilen, ka Tipp-Blaserln zum Beruhigen. Entweder am Samstag hat’s g’läutet oder ned. Ma hat g’lernt, mit der Unsicherheit zu leben.

Forscher*innen verbinden so verzögertes Feedback heut mit stärkerer Emotionsregulation im Erwachsenenalter. Wenn ma immer wieder „no ned wissen“ aushalten muss, lernt’s Hirn: Unangenehm is überlebbar, ned katastrophal. Umgekehrt kann a Aufwachsen mit Antworten auf Knopfdruck einen auf emotionales Fast Food konditionieren: schnell, salzig, beruhigend – für drei Minuten.

Die 60er-/70er-Generation hat sich ned zur Resilienz meditiert. Des Leben hat sich für sie einfach ned beschleunigen lassen.

Studien zur Resilienz zeigen a Muster: Menschen, die in der Jugend moderate, bewältigbare Herausforderungen g’habt ham, kommen später oft besser mit Stress z’recht. Ned Trauma, ned Chaos – sondern normale Härten: im Regen z’Fuß hamgehen, a schlechte Note verkraften, auf die nächste TV-Folge bis nächste Woche warten, weil’s ka Streaming geben hat.

Diese Generation hat a Grundregel internalisiert: Unannehmlichkeiten ghören dazu – sie san ned automatisch a Zeichen, dass was „hin“ is. Des macht’s leichter, Kündigungen, Scheidungen, Gesundheitsschrecker zu packen. Jüngere Erwachsene, auf permanente Optimierung sozialisiert, deuten denselben Stress oft als persönliches Versagen.

Des is eine von den seltenen Stärken, die ma grad verlieren: aufrecht bleiben, wenn’s Leben halt einfach … ned leiwand is.

2. Langeweile als Trainingsplatz für Aufmerksamkeit und Kreativität

Wennst Leute fragst, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, was sie auf ana langen Autofahrt gmacht ham, sagen’s selten: „I hab Videos g’schaut.“ Sie erzählen vom Telefonmasten-Zählen, vom gleichen Comic zehnmal lesen oder einfach aus’m Fenster starren, bis aus Wolken Drachen wordn san. Ihr Gehirn hat Platz zum Wandern g’habt. Und dieses Wandern hat was Wertvolles aufbaut: tiefe Aufmerksamkeit und kreative Tagträumerei.

Psycholog*innen wissen inzwischen, dass das „Default Mode Network“ im Hirn – der Bereich, der anspringt, wenn ma grad nix Zielgerichtetes macht – wichtig is für Fantasie und Selbstreflexion. Kinder damals san stundenlang in dem mentalen Raum g’schwommen.

Stell da an regnerischen Sonntag 1974 vor. Ka Internet. Zwoa Fernsehsender. Eltern beschäftigt mit ihrem Zeug. A zehnjähriges Kind bleibt allein mit Buntstiften, am Radio und am Hund. Irgendwann haut die Langeweile wie a Wand hin. Es gibt nix zum Tun. Und dann passiert der Umschwung: Das Kind fängt an, Comics zu zeichnen, baut a Festung aus Sofakissen oder tut so, als wär der Gang a Raumschiff.

Dieser „Wand-dann-Umschwung“-Zyklus hat sich tausende Male wiederholt. Über Jahre hat er die Fähigkeit geschmiedet, in tiefes Spielen und konzentriertes Arbeiten reinzukippen – ohne dauernde Stimulation. Heit, wo Smartphones jedes Mikro-Loch füllen, hat dieser Umschwung kaum mehr a Chance. Die kleinste Langeweile schickt die Hand direkt zum Bildschirm.

Psycholog*innen reden immer öfter von „Aufmerksamkeits-Fragmentierung“. Wennst mit permanenten Micro-Ablenkungen aufwachst, passt sich’s Hirn an – der Fokus wird kürzer. Die 60er-/70er-Generation hat die gegenteilige Konditionierung g’habt. Lange, ununterbrochene Strecken von „nix“ ham ihren Geist trainiert, bei einer Sache lang z’bleiben – und dann Tiefe draus z’holen.

Des is ned „besser“ oder „weiser“. Es is einfach a andere Verdrahtung. Sie können a ganzes Essen durchhalten, ohne aufs Handy z’greifen, oder a Stunde lesen, ohne a Benachrichtigung zu checken. Diese Fähigkeit, in eine einzige Tätigkeit richtig einzutauchen, wird rar – und in ana lauten Welt extrem wertvoll.

3. Soziales Rückgrat aus ana Zeit vor „blockieren“ und „entfreunden“

Wennst 1972 mit wem gestritten hast, hat’s ka „gesehen um 10:32“ geben, ka Wut-SMS-Romane, ka stilles Blockieren. Es hat Schule am nächsten Tag geben. Arbeit am Montag. Familiengeburtstag am Sonntag. Die Leut ham si in die Augen schaun müssen, den Ton falsch verstehen, stolpern, ung’schickt um Entschuldigung bitten – oder halt beschließen, drüber hinwegzukommen. Diese ständige Reibung von Angesicht zu Angesicht hat a Art soziale Tapferkeit g’schmiedet.

Psycholog*innen nennen des „interpersonal effectiveness“ – die Fähigkeit, Konflikt, Nuancen und Unbehagen mit anderen Menschen zu navigieren. Menschen aus der Zeit ham des am Spielplatz gelernt, in vollen Küchen und in langen, chaotischen Gesprächen, die kana aufgenommen hat.

Stell da an Teenager-Streit 1978 vor. Zwoa Freundinnen explodieren wegen irgendwas Deppertem. Einer stapft davon. Ka Posts, ka Subtweets, ka Screenshots. Nur a Knoten im Bauch und a langer Heimweg. Am nächsten Tag treffen’s si beim Platteng’schäft. Ka Verstecken hinterm Screen. Also red’n’s. Oder ned. Aber so oder so: Sie müssen’s aushalten.

Mit der Zeit baut diese Wiederholung a Toleranz für Peinlichkeit und ungelöste G’fühle auf. Ma lernt, mit jemandem im selben Raum zu sein, den ma ned mag – ohne ihn digital auszulöschen. Diese psychische Fähigkeit, in sozialem Unbehagen präsent zu bleiben, dünnt aus in ana Kultur, die für jede Interaktion an „Exit“-Knopf anbietet.

Moderne Psychologie warnt vor „avoidant coping“ in Beziehungen: wenn unser erster Reflex is, Unangenehmes zu vermeiden statt uns damit auseinanderzusetzen. Die 60er-/70er-Generation hat oft ka Fluchtweg g’habt. Begrenzte Kommunikationsmittel – Festnetz, Briefe, persönliche Gespräche – haben g’heißn, dass Missverständnisse langsam geklärt wordn san, mit Nuance und Zeit.

Des hat ihnen a emotionale Hornhaut geben. Ned Kälte, sondern Robustheit. Sie können a ang’spannte Besprechung aushalten, ohne gleich abzudrehen. Sie können was hören, was ihnen ned passt, ohne die Person gleich „zu löschen“. In ana Welt, die von Empörung und Sofort-Reaktion lebt, wird diese Eigenschaft still und leise rar.

4. Praktische Selbstständigkeit in ana Welt, die ned „alles für di“ gmacht hat

In den 60ern und 70ern aufwachsen hat oft g’heißen, dass ma früh echte Sachen können musste: allein zur Schule gehen, einfache Mahlzeiten kochen, a Radl herrichten, beim Arzt anrufen, auf jüngere G’schwister aufpassen. Es hat weniger Sicherheitsnetze geben, weniger Services und viel weniger „Helikopter“-Erziehung. Des hat Kinder gezwungen, a mentale Stärke zu entwickeln, die Psycholog*innen „self-efficacy“ nennen – den Glauben: „I krieg des schon hin.“

Des war ned heroisch. Ma hat’s halt gelernt, weil sonst kana da war, der’s für einen macht. Diese stille Alltags-Kompetenz wirkt heut fast exotisch.

Frag wen aus der Zeit nach dem ersten Job. Viele erzählen von Zeitungen austragen in da Früh, langen Schichten im Greißler, Babysitten für’s halbe Grätzl oder Sommerarbeit am Bauernhof. Ka Apps, die Dienstpläne automatisieren, ka automatische Überweisungen fürs Taschengeld. Wennst Geld zum Ausgeben wolltest, hast es verdient, verwaltet, verloren, draus g’lernt.

Studien zeigen: Frühe Verantwortung – wenn sie altersgerecht is – stärkt Problemlösen und langfristiges Selbstvertrauen. Kleine Fehler ohne Rettung – Toast verbrennen, Bus verpassen, Wechselgeld falsch zählen – trainieren’s Hirn, nachzujustieren und’s nochmal zu probieren. Dieses ständige Micro-Lernen baut a innere Stimme auf, die sagt: „I schaff des.“

Heit san viele Aufgaben an Technologie ausgelagert: GPS fürs Finden, Apps fürs Budget, Tutorials für jede Fähigkeit. Praktisch, eh. Aber es nimmt einem nebenbei Gelegenheiten, sich durch Versuch und Irrtum kompetent zu fühlen. Menschen, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, nutzen Technik auch – aber drunter sitzt oft a erprobter Glaube: Wenn gar nix mehr geht, kann i improvisieren.

Hand aufs Herz: Ka Mensch macht des jeden Tag konsequent. Aber dieses alte Training zeigt sich in Kleinigkeiten – ruhig bleiben, wenn’s WLAN stirbt, die Sicherheit, a fremde Person anzurufen, der Impuls,’s zuerst zu probieren, bevor ma sagt „I kann ned“. Des is a mentale Ressource, die ka Algorithmus liefert.

5. A geerdetes Gefühl von „genug“ in ana Welt vor dem ständigen Vergleich

Wennst Zeit mit wem verbringst, der in den 60ern und 70ern aufgwachsen is, merkst vielleicht a andere Beziehung zum Begehren. Sie ham Sachen wollen, groß träumt, Nachbarn beneidet. Aber ihr Hirn is ned 24/7 mit Bildern g’füttert wordn von allem, was sie ned ham. Ka endloses Scrollen durch perfekte Körper, renovierte Küchen, kuratierte Urlaube. Der Vergleichspool war begrenzt auf a paar Straßen, a paar Mitschüler*innen, vielleicht a Glanzmagazin.

Psycholog*innen reden da von „relativer Deprivation“ – dem Leiden, wenn ma sich im Vergleich zu anderen hinten fühlt. Mit weniger Datenpunkten hat dieses Gefühl weniger Futter g’habt. Es war mehr Platz für a stilles, fast stures „Des reicht.“

Stell da a Wohnzimmer 1971 vor. A klobiger Fernseher mit schlechtem Empfang. A braunes Sofa. A Telefon an der Wand. Kinder teilen sich a Zimmer, G’wand wird weitergeben, Urlaub heißt Camping statt Bali. Natürlich ham die Leute trotzdem g’raunzt. Sie ham von größeren Häusern und besseren Jobs träumt. Aber der Vergleich is ned alle zehn Sekunden von a Feed mit Fremden aktualisiert wordn. Das schönste Haus, dasst den ganzen Monat gsehn hast, war vielleicht bei an Cousin in der Nachbarstadt.

Dieses kleinere Vergleichs-Universum hat das Selbstwertgefühl gepuffert. Unsicherheit is ned verschwunden, aber es war leichter, mit „gut genug“ zufrieden zu sein.

Heit san Psycholog*innen alarmiert, wie Social Media Angst und Perfektionismus verstärkt. Ständige Aussetzung gegenüber kuratierten Leben kann a permanentes Versagensgefühl erzeugen – sogar bei Menschen, denen’s objektiv eh gut geht. Die 60er-/70er-Generation is mit weniger Illusionen von Perfektion aufgwachsen. Sachen san kaputt gangen, san a Zeitl kaputt blieben, und dann sichtbar repariert wordn – ned über Nacht ersetzt.

Des lehrt a feine mentale Gewohnheit: Funktion schätzen mehr als Optik, Realität mehr als Image. Ma sieht’s dran, dass viele von ihnen alte Sachen, alte Rezepte, alte Routinen weiterverwenden – ned aus Sturheit, sondern aus ana tieferen Ruhe mit „Des is für mi genug.“ In ana Kultur, die Upgrades anbetet, is diese Gelassenheit fast rebellisch.

Was uns diese neun seltenen Stärken heit sagen

Wenn ma all diese Eigenschaften z’sammenteilt, zeigt sich a Muster. Menschen, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, tragen oft a Mischung aus stiller Resilienz, von Langeweile trainierter Aufmerksamkeit, Mut im direkten Gegenüber, praktischer Selbstständigkeit und geerdeter „Genugheit“. Dazu kommt a Fähigkeit zum Warten, zum Reparieren, zum Improvisieren – und zum Dranbleiben in unperfekten Beziehungen statt alles wegzuwerfen. Das san neun mentale Stärken, geformt von ana langsameren, raueren, weniger optimierten Welt.

Nix davon heißt, dass diese Zeit „besser“ war. Es hat echte Härte und Ungerechtigkeit geben. Aber die Psychologie legt nahe: Die Textur dieser Jahre – die Langsamkeit, die Grenzen, das fehlende Polster – hat Muskeln aufgebaut, die viele von uns heut seltener trainieren können. Der emotionale Rahmen is simpel: Wir kennen’s alle, diesen Moment, wo ma zuschaut, wie a ältere Person Chaos mit fast verdächtiger Ruhe handelt, und denkt: „Wie kannst du ned komplett auszucken?“

Vielleicht is genau des die eigentliche Frage, die diese Generation aufwirft. Ned „Warum san Junge ned wie die?“, sondern: „Welche mentalen Stärken lassen wir in unserm hypervernetzten Leben aus Versehen verhungern?“ Zurückdrehen auf Wählscheiben-Telefone oder drei TV-Kanäle können ma ned. Aber wir können bewusst ein paar ihrer Gewohnheiten ausborgen: mehr leere Zeit, mehr Gespräche in echt, mehr Geduld mit Unangenehmem, mehr probieren, bevor ma Google fragt.

Die, die in den 60ern und 70ern aufgwachsen san, ham sich ihr Training ned aussucht. Wir schon. Und wenn ma mehr hinhören würden, wie sie diese Jahre wirklich überlebt ham – ned den Mythos, die Realität – könnten ma uns still und leise ein paar von diesen seltenen Stärken wieder aufbauen, in uns selbst und in den Kindern, die jetzt aufwachsen.

Kernaussage Detail Wert für Leser*innen
Resilienz durch Langsamkeit Warten, ka sofortige Lösungen und wiederholtes „no ned“ ham a starke Frustrationstoleranz aufgebaut. Hilft zu verstehen, warum ältere Menschen bei Stress oft ruhiger bleiben – und wie ma so a Training nachbauen kann.
Aufmerksamkeit durch Langeweile Unstrukturierte Zeit ohne Screens hat Fokus, Fantasie und tiefes Spielen gestärkt. Ermutigt, kleine techfreie Langeweile-Inseln wieder in den Alltag einzubauen.
Geerdete Selbstständigkeit Frühe Verantwortung und weniger Services ham den Glauben genährt: „I krieg des schon hin.“ Inspiriert, praktisches Problemlösen als Weg zu innerer Sicherheit zurückzuholen.

FAQ:

  • Frage 1 Welche neun mentalen Stärken haben Menschen aus den 60ern und 70ern oft entwickelt?
  • Frage 2 Is des ned einfach nur Nostalgie nach den „guten alten Zeiten“?
  • Frage 3 Können jüngere Generationen diese Stärken heit no aufbauen?
  • Frage 4 Gibt’s psychologische Vorteile, die jüngere Generationen haben, die die 60er-/70er-Generation ned g’habt hat?
  • Frage 5 Wie können Familien das Beste aus beiden Welten verbinden – alte Schule Resilienz und moderne Tools?

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